Der "Astropeiler" auf dem Stockert


 

Auf dem Stockert (435 m) westlich von Bad Münstereifel wurde 1956 ein dem "Würzburg-Riese" (Radar im WK II) optisch ähnliches Radioteleskop mit 25 m Durchmesser fertig gestellt und am 19. Juli 1957 eingeweiht. Betreiber der Anlage war die astronomische Fakultät der Universität in Bonn.

Die US Luftstreitkräfte in Europa (USAFE) schlossen im gleichen Jahr während eines ELINT-Einsatzes Geräte vom Typ AN/APR-9 (Frequenzbereich 1 – 10,75 GHz arrow.gif (948 Byte)link) an die Parabolantenne des Radioteleskops an und erfassten damit sowjetische Luftraumüberwachungs- Radargeräte bis in ca. 500 km Entfernung; eine Einstellung der Parabolantenne auf eine Elevation von -2° machte dies möglich. So sollen auch z.B. die drei Luftkorridore nach Berlin überwacht worden sein (arrow.gif (948 Byte) google-earth-Grafik).

 

Mit Hilfe der USAFE setzte die Luftwaffe die militärischen Einsätze ab 1958 fort. Das militärische Personal nutzte im Erdgeschoss einen eigenen abgesicherten und blickgeschützten Betriebsraum und wechselte sich halbjährlich mit den zivilen 'Himmelsforschern', die nebenan ihren Betriebsraum hatten, in der Nutzung der Anlage ab.
Technologische Fortschritte im Bereich ELINT und eine damit verbundene Änderung des Einsatzkonzepts führten jedoch zur Beendigung des Luftwaffeneinsatzes auf dem Stockert im Jahr 1964.

Neue Erkenntnisse führten schließlich zur Errichtung stationärer und grenznaher Einsatzstellungen, letztendlich den fünf Fernmeldetürmen der Fernmeldesektoren A, B, C, E und F.

Differenzen des Betreibers mit dem Bundesverteidigungsministerium veranlasste u.a. auch die Gründung der Forschungsgesellschaft für angewandte Naturwissenschaften (FGAN) in Wachtberg-Werthhoven bei Bonn. Dort wurde auch mit finanzieller Hilfe des BMVg ein eigenes Großradargerät errichtet, dass nach damaliger Strategie Flugbahnen und Ziel radial anfliegender ballistischer gegnerischer Flugkörper errechnen sollte. Das Radom des Großradars zur Erforschung von Radartechniken ist weithin zu sehen.

Die Aktivitäten von Radargeräten einer neu installierten Nike-Hercules Flugabwehr-Batterie der belgischen Streitkräfte, die C Battery 13th MSL Btn (Wing Missile) SQN 52,  im nahen Billiger Wald bei Euskirchen und auch das Platzradargerät am Fliegerhorst Nörvenich führten aufgrund des "störenden Wellensalates" in den 80er Jahren dazu, dass die Astrophysiker sich vom Stockert zurückzogen.

Erkenntnisse aus dem Betrieb des "Astropeilers" flossen auch in den Bau des größten beweglichen Radioteleskops der Welt (100m Durchmesser) bei Effelsberg, südöstlich von Bad Münstereifel, ein.

Von 1997 bis zum 12.04.2005 war die Software- und Tontechnikfirma "Creamware" Eigentümer des Bereiches mit dem Radioteleskop, seitdem ist die Nordrhein-Westfalen-Stiftung der neue Besitzer. Die Stiftung stellte auch Mittel für eine Sanierung zur Verfügung, so daß eine Nutzung (Meßbetrieb) des "Astropeilers" durch den Förderverein "Astropeiler Stockert e.V." ab 2011 erfolgen konnte; aber schon ab 2008 wurden Veranstaltungen und Besuchstage durchgeführt, so war am "Tag des offenen Denkmals" am 14.09.2008 eine Besichtigung einiger Räume der Anlage und einiger Technik - auch mit Führung - möglich.

siehe auch arrow.gif (948 Byte)Die deutsche Geschichte der Radioastronomie ab dem zweiten Weltkrieg


Quelle u.a.: Der Neubeginn der FmEloAufkl und der EloKa der Luftwaffe ab 1956 und das dem Neuaufbau zugrunde liegende Konzept (Rudolf Grabau, 2000)