DIE STATIONÄRE FERNMELDE- UND ELEKTRONISCHE AUFKLÄRUNG DER LUFTWAFFE BIS 2002

Die Zeit nach der politischen Wende 1989/90 brachte für die Fernmelde- und Elektronische Aufklärung der Luftwaffe (FmEloAufkLw) einschneidende Veränderungen. Als Folge der Wiedervereinigung ging man daran, das gesamte Konzept der FmEloAufkLw umzustellen.

Bis 1993 war die FmEloAufkLw in drei Regimenter / Fernmeldebereiche organisiert:

Fernmelderegiment 71 in Osnabrück (mit Stabs- und Versorgungssektor)

Fernmelderegiment 72 in Feuchtwangen (mit Stabs- und Versorgungssektor)

Fernmeldebereich 70 in Trier (mit Stabs- und Versorgungssektor)


Fernmeldeturm FmSkt A Großenbrode
(vordere Erfassung)
HF-Antennenanlage FmSkt H Feuchtwangen
(rückwärtige Erfassung)
Antennenmast FmSkt D/Q Hambühren
(rückwärtige Erfassung)
Peiler Peilzentrale IV Eriskirch
(rückwärtige Erfassung)

Die sogenannte Vordere Erfassung (Line-Of-Sight = LOS) wurde von den Fernmeldesektoren A, B, C, E und F aus festen Einsatzstellungen (Fernmeldetürmen) heraus betrieben. Für die rückwärtige Erfassung (Kurzwellen-Aufklärung) standen den Fernmeldesektoren D und H spezielle Antennenanlagen zur Verfügung während der Fernmeldesektor Q mit Sonderaufgaben betraut war. Die Auswertung der Erfassungsergebnisse aller Fernmeldesektoren erfolgte im Fernmeldebereich 70 in Trier und der Fernmeldesektor 61 sorgte für die technische und logistische Unterstützung der FmEloAufklLw. Der Fernmeldesektor 62, war und ist heute noch als Zentrum Elektronischer Kampf Fliegende Waffensysteme (ZEK Flg WaSys) die "Spezialeinheit" für Elektronische Kampfführung fliegender Waffensysteme der Bundeswehr.

Antennenkonfiguration Fernmeldeturm FmSkt A Ende der 80er Jahre;
die genannten Antennensysteme waren i.d.R. in/an allen Türmen vorhanden

Bereits Jahre vor der Wiedervereinigung Deutschlands war ein neues Konzept der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung der Luftwaffe geplant. Im "Einsatzkonzept FmEloAufklLw" von 1987 waren vorgesehen:

Erste Planungen sahen vor, für das LAPAS an den Regimentsstandorten Osnabrück und Feuchtwangen jeweils eine Bodeneingangsstation zu installieren. Mit dem Vorhaben DAVE (Datenableitung Vordere Erfassung), ein Vorhabenanteil von LAPAS, sollte mitttels Lichtwellenleitern die Ableitung der Erfassungsdaten und Steuerung der Fernmeldetürme der Luftwaffe sichergestellt werden. Das Erfassungspersonal der LOS-Erfassung und vom LAPAS sollte an den Regimentsstandorten in sogenannten Erfassungszentralen konzentriert werden, während die Fernmeldetürme nur noch als abgesetzte Sensoren fungieren sollten.

Mit dem Bau eines Großbunkers (ehemalige Baustelle) für die Erfassungszentrale am Standort Osnabrück ist noch Ende 1989 begonnen worden. Die Arbeiten sind aber Ende 1990 eingestellt worden, da aufgrund der konzeptionellen Neubewertung vor dem Hintergrund der sicherheitspolitischen Veränderungen das Vorhaben DAVE im Januar 1991 ersatzlos aufgegeben und das Konzept erneut geändert wurde. Die ehemalige Bunkerbaustelle ist heute überbaut.
Geplant war nur noch eine stationäre LAPAS-Bodenstelle, die nun in der sogenannten horizontalen Erweiterung beim Fernmeldeturm des Fernmeldesektor B bei Woltersdorf installiert werden sollte. Zusätzlich vorgesehen war aber eine verlastbare/mobile Bodenstelle. Die Fernmeldesektoren B, C, E und Q sollten aufgelöst und der Stab des Fernmelderegimentes 71 von Osnabrück nach Dannenberg verlegt werden. Hier sollte dann auch der Fernmeldesektor N (Nord) für LAPAS neu aufgestellt werden. Geplant war auch, in den neuen Bundesländern jeweils im Norden (Gützkow) und Süden an der östlichen Landesgrenze zu Polen (Zodel) auch zwei Fernmeldesektoren (Fernmeldesektoren "O") als sogenannte Sensorstellungen aufzustellen. Dieser Plan wurde aber später wieder verworfen. 

Aufgrund der politischen Entscheidung, das LAPAS nicht zu beschaffen, wurde das Konzept abermals geändert. Als Folge wurden ab 1993 aufgelöst:

Zum 30.09.1994 wurde der Stab des Fernmelderegimentes 71und zum 31.12.1997 auch der des Fernmelderegimentes 72 aufgelöst. Die Fernmeldesektoren D und Q wurden umgegliedert und bis zum 31.12.97 nach Berlin-Gatow verlegt. Die verbliebenen Fernmeldesektoren A, F und D und 61 wurden dem Fernmeldebereich 70 in Trier unterstellt.
Die Anfang der 90er Jahre hinzugekommenen mobilen (verlastbaren) Erfassungskomponenten wurden bei den beiden Fernmeldesektoren A und F stationiert.

Von Oktober 1997 standen der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung der Luftwaffe bis zum 01.07.2002 von ehemals sieben nur noch drei Fernmeldesektoren für die mobile und stationäre Erfassung zur Verfügung.

Die Zukunft der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung

Traditionsverein Fernmelde- /Elektronische Aufklärung Luftwaffe e.V.

"Die Liebe der Horchfunker"