Vermessungsschiffe

Der 4. Flottille des Kommandos Volksmarine in Rostock-Warnemünde war bis zum 03.10.1990 die 4. Vermessungsschiffsabteilung (4. VSA) mit drei Aufklärungsschiffen administrativ zugeordnet:

Von Bord der Schiffe wurde fast ausschließlich Funkaufklärung im UKW-Bereich (ca. 20 MHz bis 1 GHz) durchgeführt. Dazu wurde das Personal des FD-18 zu den befohlenen Einsätzen auf die Schiffe kommandiert.

Es wurden überwiegend Einsätze gegen die Bundesmarine sowie andere NATO-Staaten und Schweden in der Ostsee, aber auch Fahrten in der Nordsee bis vor Helgoland durchgeführt. Die Ergebnisse der Funk- und funktechnischen Aufklärung wurden über den Gefechtsstand des FD-18 an das Lagezentrum des Informationszentrums (IZ) beim Chef Truppenaufklärung (CTrAkl) gemeldet.

 

Vermessungsschiff HYDROGRAPH

Das für Aufklärungszwecke speziell ausgerüstetete ehemalige Fischereischiff wurde auf der Volkswerft in Stralsund gebaut und am 28.11.1961 in Dienst gestellt und war bei der 4. Flottille stationiert. 1972 wurde es der dortigen 4. Vermessungsschiffsabteilung (VSA) unterstellt.

Die Außerdienststellung erfolgte am 27.05.1983 und nach Ausbau der Aufklärungsgeräte in Rostock die Verschrottung. Die HYDROGRAPH wurde von der JASMUND, einem DARSS-Klasse-Versorger abgelöst.

Hydrograph

Deplacement*: 689 t
Länge: 50,8 m
Breite: 8,8 m
Tiefgang: 3,4 m
Geschwindigkeit: 11 kn
Besatzung: 25
Bewaffnung: keine

 

Vermessungsschiff JASMUND

Die auf der Neptun-Werft in Rostock gebaute JASMUND wurde am 15.05.1985 in  Dienst gestellt und löste die HYDROGRAPH als Aufklärungsschiff ab. Aus fünf Betriebsräumen sowie auch aus zwei abgesetzten Containern wurde an insgesamt  sechs Erfassungsplätzen Funkaufklärung im KW- und UKW-Bereich sowie Richtfunkaufklärung betrieben. Unter dem Radom befand sich ein weiterer Betriebsraum mit zwei Erfassungsplätzen und war dem Aufklärungspersonal der HA III des MfS/AfNS  vorbehalten. Zur Abdeckung des relevanten Frequenzspektrums waren am Mast verschiedene Discone-Antennen angebracht sowie unter dem großen Radom am Heck verschiedene LogPer-, Parabol- und Dipolantennen installiert.

Die JASMUND wurde am 03.10.1990 außer Dienst gestellt und im November 1992 nach Spanien verkauft, wo sie in Puerto de la Luz auf den Kanarischen Inseln umgebaut wurde. Die große Antenne und das Radom wurden demontiert und    eine SATURN 3S Satelliten- Kommunikationsanlage installiert. 1993 wurde sie als ALERTA (Kennung A 111) in Dienst gestellt und löste das Patrouillenschiff ALSEDO als AGI (Auxiliary General Intelligence collector ship) ab. Heimathafen ist Cartagena.

JASMUND
vor der 2. Umrüstung

JASMUND
nach der 2. Umrüstung
 


1986 bei der
NATO-Übung "Northern Wedding"
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Deplacement*: 2080 t
Länge: 76,2 m
Breite: 12,4 m
Tiefgang: 3,85 m
Geschwindigkeit: 12 kn
Besatzung: 34
Bewaffnung: 6 x 25 mm (Umrüstung sah Verstärkung der Luftabwehrbewaffnung vo)r

 

Vermessungsschiffe METEOR und KOMET

Die METEOR und KOMET wurden auf der Peene-Werft in Wolgast gebaut und waren baugleich mit der KONDOR I Klasse, jedoch mit elektronischer Ausrüstung für die Aufklärung ausgestattet. Die Indienststellung der KOMET erfolgte am 09.03.1972, die der METEOR am 03.05.1972. Für Aufklärungseinsätze standen jeweils vier Erfassungsplätze zur Verfügung.

Beide Schiffe wurden am 03.10.1990 außer Dienst gestellt und 1991 von der VEBEG zum Verkauf ausgeschrieben. Wie viele andere Schiffe der ehemaligen NVA-Volksmarine lagen auch sie in Peenemünde an der Kette. Im März 1994 wurden sie an Estland verkauft. Dort wird die METEOR mit der Kennung M-412 als SULEV,  die KOMET mit  M-411 als YAMBOLA geführt.

METEOR

METEOR

Deplacement*: 359 t
Länge: 52 m
Breite: 7,1 m
Tiefgang: 2,3 m
Geschwindigkeit: 19 kn
Besatzung: 25
Bewaffnung: nur im Mobilmachungsfall (2 x 25 mm)

 

Ehrenteller der 4. Vermessungsschiffsabteilung (4. VSA)
(Dank an Herrn Silvio Dietzel)

 

*Deplacement = Verdrängung: Masse der vom eingetauchten Schiffskörper verdrängten Wassermenge. Diese wird in der Regel in Tonnen angegeben und entspricht der Gesamtmasse (Gewicht) des Schiffs.