Funkdienst 18

Der Funkdienst 18 (FD-18) wurde am  01.11.1955 in Stubbenkammer bei Saßnitz bei der Volkspolizei-See aufgebaut. 1961 wurde er durch die Nationale Volksarmee (NVA) übernommen, nach Zingst verlegt. Der FD-18 führte die Funk- und funktechnische Aufklärung landgestützt aus den Standorten Zingst und Tarnewitz sowie bordgestützt von den Aufklärungsschiffen der 4. Vermessungsschiffsabteilung (4.VSA) durch.
Die KW-Funkpeilbasis des FD-18 bestand aus den Standorten Zingst/Sundische Wiese, Tarnewitz und Gützkow (FuPSt-1 des ZFD).
Für luftgestützte FuFuTAkl stand ein speziell ausgerüsteter Hubschrauber Mi-8TV ("814") des Marinehubschraubergeschwaders 18 (MHG-18) "Kurt Barthel" in Parow zur Verfügung.

als placemark für google earth herunterladen (Ortsangaben ohne Gewähr): arrow.gif (948 Byte)

Mit der vorhanden Technik und der zur Verfügung stehenden Infrastruktur war folgende maximale Kapazität möglich:

Standort

Arbeitsplätze KW

Arbeitsplätze UKW

Zingst

25*

2*

Tarnewitz

8

6

4. VSA

0

14

gesamt:

33

22

* in veränderter Zusammenstellung

 

Zingst arrow.gif (948 Byte)Karte

Aus der Kaserne des Fla-Raketenausbildungszentrum 40 (FRAZ-40) "Georg Ewald" in Zingst betrieb der FD-18 Funkaufklärung in den Bereichen LW, KW und UKW (VHF/UHF).

Kaserne Zingst 2004
Teile der Kaserne (FD-18 mit Funkmast) in 2004

Luftbild Kaserne
Luftbild Kaserne Zingst

An Infrastruktur stand in der Liegenschaft Zingst zur Verfügung:

ein Dienstgebäude

12 Diensträume, 12 Lager-/Funktionsräume, 3 Ausbildungsräume

davon zwei KW-Betriebsräume, ein UKW-Betriebsraum, fünf Auswerteräume,
ein Funkpeil- und Rechnerbetriebsraum

ein Unterkunftsgebäude

4 Diensträume, 20 Unterkunftsräume, 4 Lager-/Funktionsräume, 4- Klub-/ Fernsehräume, 5 Sanitärräume

das Personal war hauptsächlich in der Unterkunft untergebracht, es gab aber auch Dienstwohnungen in Zingst und Barth

eine Netzersatzanlage

105 kVA

ein Garagenkomplex

810 qm Stellfläche beheizt, 117 qm Wartungsfläche beheizt,
106 qm Lagerfläche unbeheizt

mobile Funkaufklärungstechnik

zwei Splitterschutzbunker

für 24 Personen

Antennentechnik:

24 m Stahlgittermast

LogPer-Antenne (100 - 150 MHz), LogPer-Antenne (100 - 800 MHz), drehbare LogPer-Antenne (80 - 1000 MHz),
VPR (30 - 100 MHz)

15 m Betonmast

PAS-1 (polarisierte KW-Antenne), SHB (KW-Breitband-Dipolantene)

12 m Stahlmast

LW-Antenne (180 m), LW-Antenne (90 m)

5 m Dachmast

1990 ohne Funktion

6 m Dachmast

PAS-1 (polarisierte KW-Antenne)

Empfangstechnik:

EKD-315

14 kHz - 30 MHz

EKD-500

14 kHz - 30 MHz

R-399A

1 - 30 MHz

R-250M 1,5 - 25,5 MHz auch R-250M2
R-1250 1,5 - 30 MHz  

REV-251 (M, M1, TD)

10 kHz - 30 MHz

R-323,   R-323M

20 - 100 MHz

R-313M2

100 - 420 MHz

VREV-T

20 - 100 MHz

UREV

100 - 520 MHz

UREV-G

100 -1000 MHz

VU-41

500 -2400 MHz

UP3

100 - 100 -520 MHz

Panoramaempfänger

VREV-P

20 - 100 MHz

Panoramaempfänger

UREV-P   UREV-G

100 - 1000 MHz

Panoramaempfänger

R-450M2

1 - 30 MHz

mobiler Funkempfangsgerätesatz auf LKW ZIL-131

Peiltechnik:

R 359

1,5 - 30 MHz

Funkpeiler auf zwei LKW ZIL-157

REV-259

1,5 - 30 MHz

(automatisiert)

In Zingst konnte KW-Erfassung an bis zu 25 Arbeitsplätzen, UKW-Aufklärung an zwei (durch Aufteilung der verfügbaren Empfänger an bis zu acht) Arbeitsplätzen betrieben werden.
Die mobilen auf LKW installierten Aufklärungskomplexe kamen bei Übungen und Manövern sowie bei hohem Funkverkehrsaufkommen aus der KFZ-Halle/Garage heraus zum Einsatz und waren an die stationären KW-Antennen angeschlossen.

Im Ernstfall hätte der FD-18 mit den Fahrzeugen ins Hinterland verlegt und mobilen Einsatz betrieben. Der große stationäre Antennengittermastist mittlerweise demontiert worden.


Das ehemalige Stabsgebäude des FRAZ-40 wird durch die Gemeinde Zingst genutzt, ein anderes durch die Arbeiterwohlfahrt (AWO), Garagen des FD-18 nutzt die Freiwillige Feuerwehr Zingst und die Wasserwehr, weitere der Bau- und Betriebshof der Kur- und Tourismus-GmbH.
Der östliche Teil der Kasernenanlage wurde größtenteils umstrukturiert und gehört heute zum Wellness-Camp Düne 6. In einem Gebäude des FD-18 befand sich zeitweise das Atelier "Mandrysch"; heute sind beide Gebäude des (ehem.) FD-18 ungenutzt. Der große stationäre Antennengittermast (Funmast) ist mittlerweise demontiert worden.

Die ehemalige Kaserne in 2006:


das ehemalige Stabsgebäude
FRAZ-40 (heute Gemeinde Zingst)


hier ist heute die AWO
drin


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Eingang zum Wellnesscamp
Düne 6


Garagen FFW und
Wasserwehr Zingst


Garagen des Bau-
und Betriebshofs


der ehemalige
FD-18


der ehemalige
FD-18


der alte Funkmast
 


ehemaliges Atelier
 


Sundische Wiese arrow.gif (948 Byte)Karte

Die KW-Funkpeilstelle befand sich auf dem Fla-Schießplatz Sundische Wiese. Das Einsatzpersonal war im Wachgebäude des Schießplatzes untergebracht.

Zingst

Die Sundische Wiese wurde seit Ende der 30er Jahre militärisch genutzt. Sie war Bombenabwurfszielgebiet der Reichsluftwaffe Hermann Görings. Nach dem 2.Weltkrieg wurde der nördliche Teil der Sundischen Wiese als Schießplatz für Flugabwehrwaffen durch die NVA genutzt. Die Kaserne in Zingst sowie die Sundische Wiese blieben nach dem 03.10.1990 bis 1992 in der Nutzung der Bundeswehr. Die Sundische Wiese gehört seit 1990 zum Nationalpark "Vorpommersche Boddenlandschaft". link

 

 

Tarnewitz arrow.gif (948 Byte)Karte

Am Standort des Grenzbataillons 4 (GB-4) der 6. Grenzbrigade Küste (GBK) "Fiete Schulze" (Rostock) in Tarnewitz befand sich bis 1979/80 im Obergeschoss des alten zweistöckigen Stabsgebäudes des GB-4 die Funkaufklärungsstelle des FD-18 (siehe Fotos unten).  Nach dem Umzug des FD-18 in das Obergeschoß des neuen Stabsgebäude (siehe Karte) wurde im linken Teil des alten Gebäudes der Schulungs- und Kinosaal eingerichtet und rechts zog der OP-Dienst des GB-4 ein.

An Infrastruktur stand dem FD-18 in der Liegenschaft Tarnewitz insgesamt zur Verfügung:

zwei Diensträume

für KW-/UKW-Aufklärung

zwei Lager- und Funktionsräume

(ein Auswerteraum)

acht Unterkunftsräume

das Personal war hauptsächlich in der Unterkunft untergebracht, es gab aber auch Dienstwohnungen in Tarnewitz und Klütz

Klubraum und Sanitärräume

Lagerfläche

überdacht (27 qm)

Antennentechnik:

26 m halbstationärer Gittermast mit Fahrstuhl

mit drehbarer Bühne (1990 installiert, kam nicht mehr zum Einsatz)

2167

aktive, drehbare Antenne (25 - 1000 MHz)

LPA-1

drehbare LogPer-Antenne (80 -1000 MHz)

Yagi

(40 -150 MHz)

AR6

(50 - 90 MHz)

VPR

(30 - 100 MHz)

KW-Antennen

Dipol

Empfangstechnik:

EKD-300

14 kHz - 30 MHz

(1990 aus Beständen des MfS HA III erhalten)

diverse russische Empfänger

unbekannt

(bis Mitte 1990 im Einsatz)

2070

25 - 500 MHz

(1990 aus Beständen des MfS HA III erhalten)

2170

25 - 1000 MHz

(1990 aus Beständen des MfS HA III erhalten)

Bis zum Mai/Juni 1990 wurde russische Funkempfangstechnik eingesetzt. Es waren ein Arbeitsplatz (AP) für Kurzwelle und zwei AP für den VHF/UHF-Bereich vorhanden. Aufgeklärt wurden Funkverbindungen des Bundesgrenzschutzes (BGS) und der Marinefliegergeschwader 1 und 2.
Die Antennenausrüstung bestand aus einem Langdraht für KW und zwei drehbare LP-Antennen VHF. Ein im Mai aufgebauter neuer Antennenträger (Gittermast) wurde nicht mehr in Betrieb genommen. Dieser war verlegefähig und benötigte kein Fundament.

Zuletzt konnte in Tarnewitz an bis zu sechs Erfassungsplätzen UKW-Aufklärung (VHF und UHF), KW-Aufklärung an bis zu acht Erfassungsplätzen betrieben werden, jedoch nur bei höheren Einsatzstufen.
Die Funkpeilstelle mit einem modernen Peiler REV 259 (automatisiert) war in einem Funkwagen installiert.

Der Funkdienst 18 befand sich bis 1980 im alten Stabsgebäude des GB-4:


oben rechts im Gebäude war die Funkerfassung untergebracht;
an den beiden Betonmasten sind noch die Antennen zu erkennen
(siehe auch Fotos von Jan Papenfuß )
 


oben im Gebäude war die Räume
der Funkerfassung und SAS
 


Blick von der Strasse

(weitere schöne Fotos von der Liegenschaft
und der Halbinsel hat Jan Papenfuß eingestellt)

Das alte Stabsgebäude mit den immer noch vorhandenen Antennen im August 2012; langsam wächst alles zu. Im Gebäude ist außer einigen Graffiti nichts mehr zu sehen. Die östlich gelegenen Gebäude (neues Stabsgebäude etc.) werden heute zivil genutzt.


Gebäudenordseite mit Antennen

Gebäudenordseite mit Antennen

oben eine RFT-Antenne Typ PAS

 

 

Antennenmast

Südseite (von der Straße aus)

der Westteil mit Heizungsrohr (von der Straße aus)

der Westteil (von der Straße aus)

Antenne PAS von der Straße aus

Tarnewitz-Boltenhagen

Die Halbinsel bei Tarnewitz/Boltenhagen war eine Erprobungsstelle (E-Stelle) der deutschen Wehrmacht für Flugzeugbewaffnung wie  Maschinengewehre, Bordkanonen, Bordraketen etc.. link-1 link-2   
Nach dem Krieg ab 1952 bis bis zum 03.10.1990 wurden die Anlagen auf der Halbinsel erst durch die NVA (anfangs Seepolizei) genutzt. In dieser Zeit wurden der Hafen erneuert sowie zahlreiche neue Gebäude und Anlagen errichtet.
Die Bundeswehr nutzte die Anlagen nach 1990 nicht weiter. Die Liegenschaft wird zum Teil zivil genutzt.
Teile der Halbinsel, das heutige Gelände der Weißen Wiek, wurden zu einer Marina mit angrenzender Hotelanlage und Badestrand ausgebaut; der Tarrnewitzer Huk ist heute Naturschutzgebiet und der Zugang gesperrt.


Gützkow

Die KW-Funkpeilstation in Gützkow mit dem Funkpeiler REV-259 (automatisiert) war eigentlich dem ZFD zugeordnet, arbeitete aber auch mit dem FD-18 zusammen.