MULTINATIONAL ELECTRONIC WARFARE TACTICS FACILITY (MAEWTF) POLYGONE

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 Deutscher Anteil    Französischer Anteil    Amerikanischer Anteil   

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Die MAEWTF POLYGONE ist neben RAF Spadeadam (siehe auch hier) einer ähnlichen Anlage zwischen Newcastle und Carlisle im Norden Englands, die einzige Übungseinrichtung für Elektronische Kampfführung (EloKa) in Europa. Das Übungsgebiet umfasst ca. 20.000 qkm mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von ca. 240 km und West-Ost von ca. 140 km und erstreckt sich grenzübergreifend in Deutschland über Teile von Rheinland-Pfalz, dem Saarland sowie in Frankreich über Teile Elsaß-Lothringens und der Vogesen. Betrieben wird die Einrichtung gemeinsam von den Luftstreitkräften Frankreichs, Deutschlands und den USA. Grundlage ist ein Memorandum of Understanding (MOU), welches 1979 von den drei Nationen unterzeichnet wurde.

Die Hauptaufgaben der Einrichtung sind das Schulen der Luftfahrzeugbesatzungen im Gebrauch ihrer EloKa-Ausrüstung, das Entwickeln, Testen und/oder Verifizieren von Taktiken sowie das Unterstützen von Erprobungen neuer oder verbesserter EloKa-Ausrüstungen.

Mit festen Stellungen in Deutschland und Frankreich (hier bis Juni 2014; siehe Anmerkung unten), den dort eingesetzten stationären sowie den mobilen Systemen, ist die MAWEWTF POLYGONE in der Lage, annähernd realistische Bedrohungsszenarien zu schaffen, wie sie in möglichen Einsatzgebieten erwartet werden könnten. Die Besonderheit ist, dass auf der Übungseinrichtung u.a. auch reale russische Luftverteidigungssysteme zum Einsatz kommen, die nach der Wiedervereinigung von der ehemaligen Nationalen Volksarmee (NVA) übernommen wurden. Ein Großteil des Bedienerpersonals hat seine Ausbildung noch während der Dienstzeit in der NVA erhalten.

Auf POLYGONE üben Piloten bzw. Besatzungen von Kampf- und Transportflugzeugen, aber auch von Hubschraubern den Gebrauch ihrer elektronischen Selbstschutzausrüstung, z.B. Radarwarnempfänger oder Störbehälter für elektronische Gegenmassnahmen. Sie trainieren das Erkennen und die Abwehr einer möglichen Bedrohung, die von radargesteuerten Flugabwehrraketensystemen oder Flugabwehrkanonen ausgehen kann. Für sogenannte SEAD-Missions trainieren ECR Tornados der Luftwaffe, F-16 der USAF oder EA-6B PROWLER der US NAVY und des US Marine Corps. Aber auch SIGINT-Flugzeuge wie die amerikanische RC-135 RIVET JOINT, die französische C.160G GABRIEL oder Spezialmaschinen wie die Piaggio PD-808 der italienischen Luftwaffe nutzen POLYGONE regelmässig zur Ausbildung ihrer Besatzungen.

Gesteuert werden alle Einsätze vom POLYGONE Control Center (bis März 2015 POLYGONE Coordination Center (PCC)) bei Bann. Im trinational besetzten PCC werden die Einsätze angemeldet, koordiniert und vorbereitet, geleitet und an schliessend auch ausgewertet. Die Auswertung erfolgt mit Hilfe des Enhanced POLYGONE Command, Control & Communcation Systems (EPICCCS) sowie bis Mitte 2014 mit den beiden Trefferauswertesystemen PERIGORD I in Grostenquin und PERIGORD II der Firma Thomson-CSF in Epinal.

Die Nutzung von POLYGONE erfolgt in Übungseinheiten (Slots) von jeweils 20 Minuten und ist für die Betreibernationen von POLYGONE kostenfrei. Allen anderen Nationen werden die Slots je nach Umfang in Rechnung gestellt; 2.200 EURO sind zu entrichten, wenn entweder nur in Frankreich oder Deutschland geflogen wird, 3.300 EURO werden pro Slot fällig, wenn grenzüberschreitende Einsätze, also in Deutschland und Frankreich geflogen werden (Kosten Stand Juli 2011). Im Rahmen von NATO-Übungen sind die Einsätze ebenfalls kostenfrei.
Flugbetrieb ist an Wochentagen montags bis donnerstags von 9 bis 16:40 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr möglich. Von Oktober bis März sind auch Nachteinsätze bis 22 Uhr möglich.

In den Stellungen auf deutscher Seite arbeiten amerikanische, französische und deutsche Soldaten sowie amerikanisches Zivilpersonal zusammen; die Stellungen in Frankreich waren nur mit französischem Personal besetzt.

Geleitet  wird die Übungseinrichtung von einem Direktor, der im Rang eines Oberstleutnants auch gleichzeitig Chef des jeweiligen nationalen Anteils ist. Die Position des Direktors wechselt alle zwei Jahre zwischen den Nationen. Die nächsthöhere Ebene ist das sogenannte POLYGONE Steering Committee (PSC), ein Lenkungsauschuß, der sich aus Vertretern der Luftwaffenführungsstäbe der Betreibernationen zusammensetzt. Den Vorsitz hat die Nation, die den vorherigen Direktor gestellt hat. Auch diese Position wechselt alle zwei Jahre. Das PSC legt die Direktiven fest und zeichnet für die Weiterentwicklung der Übungseinrichtung verantwortlich.

Anmerkung: Am 24. Juni 2014 wurde die EGE 48.530 mit Wirkung zum 01. September aufgelöst, die französischen Stellungen geschlossen link .

Geographische Lage

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siehe auch arrow.gif (948 Byte)link-1 arrow.gif (948 Byte)link-2