DIE MOBILE FERNMELDE- UND ELEKTRONISCHE AUFKLÄRUNG DER LUFTWAFFE BIS 2002

Das Konzept für eine verlastbare Erfassung stammte aus den 70er Jahren. Mit den ursprünglich für den Kriseneinsatz geplanten verlastbaren Erfassungstrupps, mit denen bei Räumung der Fernmeldetürme im Ernstfall weiter Aufklärung aus dem rückwärtigen Raum betrieben werden sollte, erfolgten die ersten Übungseinsätze.

Erste Erfahrungen sammelte man 1978 mit einer verlastbaren EloAufkl-Komponente unter der Deckbezeichnung "STAGE COACH", das als  so genannter "gap filler" (Lückenfüller) geplant wurde. Ab 1980 wurden mit den verlastbaren Erfassungszügen regelmässig Übungen wie "KLEINE ANLEIHE", "SCHWARZE DROSCHKE" oder "BUNTER BIRKHAHN" durchgeführt. STAGE COACH wurde zur Bildung von Erfassungsschwerpunkten während Übungen von Streitkräften des Warschauer Paktes in Grenznähe eingesetzt, aber auch bei längerfristigen Umbauarbeiten in den Fernmeldetürmen sowie bei speziellen Messkampagnen. Stationiert waren zwei mobile Komponenten beim Fernmeldesektor 61 auf dem Lechfeld.

Das System STAGE COACH bestand aus drei Sheltern (Fernmelde-Kabinen) amerikanischer Bauart:

  • 2 x A-Shelter

  • 1 x B-Shelter

mit insgesamt fünf Arbeitsplätzen, jeweils ausgerüstet mit dem Empfangssystem WJ-1740 (bis 18 GHz).

 

 

Standorte mobile FmEloAufklLw (bis Ende 1980er Jahre): als placemark für google earth herunterladen (Ortsangaben ohne Gewähr): arrow.gif (948 Byte)

Die Zeit nach der politischen Wende 1989/90 brachte auch für die Fernmelde- und Elektronische Aufklärung der Luftwaffe einschneidende Veränderungen. Bereits 1993 wurde der bisherige Einsatzauftrag in einen Auftrag zur Ausbildung und lnübunghaltung des Personals der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung der Luftwaffe umgewandelt, und es erfolgte die Zuführung der neu konzipierten mobilen Erfassungskomponenten, die nun bei den Fernmeldesektoren A in Großenbrode und F in Kötzting stationiert wurden. Man war nun in der Lage, jederzeit auch außerhalb der ortsfesten Einsatzstellungen Fernmelde- und Elektronische Aufklärung zu betreiben. Nach kurzer Erprobung des neuen Gerätes bei nationalen Übungen erfolgte bereits nach zwei Jahren die Teilnahme an NATO-Übungen wie z.B. in Norwegen (STRONG RESOLVE) und Spanien (ADVENTURE EXPRESS). Ein mobiler Einsatz der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung Luftwaffe bedeutete den Einsatz von bis zu 40 LKW und Anhängern mit Antennenträgern und Stromerzeugungsaggregaten, dazu Busse und sonstige Fahrzeuge zum Transport der bis zu 100 Soldaten und zivilen Mitarbeiter.

Die "Fernmelde- und Elektronische Aufklärungssätze, verlastbar" - so die Bezeichnung für die bodengestützten, verlegefähigen Erfassungskomponenten der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung Luftwaffe - umfasste im Einzelnen nachfolgend beschriebene Trupps.


Erfassungs- und Peiltrupp I

Flugfunkerfassungsantenne AD002 (links) und Peilantenne AP055

Fernmeldeaufklärungssystem zur Suche, Erfassung, Überwachung und Peilung von militärischen Sprechverkehren Boden/Bord oder Bord/Bord. Der Trupp betand aus einer kombinierten Erfassungs- und Peilstation in der Stellung K1 und einer abgesetzten zweiten Peilstation in der Stellung K2.
Kernstück des Trupps war die Such- und Peilkabine. Von hier aus wiesen der Wachleiter und der Suchfunker die zu bearbeitenden Frequenzen an die Erfasser in den zwei Horchkabinen zu.


Flugfunkerfassungsantenne AD002 (links) und
Peilantenne AP055


Erfassungstrupp II


Eloaufklärungsantenne AA120

Elektronisches Aufklärungssystem zur Suche, Erfassung, Peilung und Auswertung elektromagnetischer Ausstrahlungen luft-, boden- oder schiffsgestützter Radargeräte. Anhand der so gewonnenen technischen Parameter von Radargeräten eines potentiellen Gegners konnten Rückschlüsse über Stärke und Leistungsfähigkeit der gegnerischen Waffensysteme gezogen werden und bei Bedarf gezielt elektronische Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Der Trupp bestand aus insgesamt drei Kabinen, zwei in der Stellung K1 und eine in der Stellung K2. Die einzelnen Arbeitsplätze wurden lageabhängig vom Wachleiter gesteuert und erfassten einen Frequenzbereich von 100 MHz bis 18 GHz. Mit verschiedenen Aufzeichnungsgeräten konnten Ausstrahlungen für eine spätere Nachauswertung aufgezeichnet werden.


Erfassungstrupp IIa

Passives elektronisches Radar-Aufklärungssystem tschechischer Bauart mit der Bezeichnung KRTP-86 TAMARA /NATO-Code "TRASH BIN") zur Erfassung, Peilung und Identifizierung elektromagnetischer Ausstrahlungen von  luftgestützten Waffensystemen.

TAMARA wurde durch die Bundeswehr 1990 von der NVA übernommen und Ende 2010 ausgephast. Es steht heute im Luftwaffenmuseum Berlin-Gatow (siehe facebook). 

(KRTP = Komplet RádioTechnického Prieskumu = Funkelektronischer Aufklärungskomplex)

"Fräulein TAMARA"


Erfassungstrupp IIb

Passives elektronisches Radar-Aufklärungssystem tschechischer Bauart mit der Bezeichnung KRTP-81 RAMONA (NATO-Code "SOFT BALL") zur Erfassung, Peilung und Identifizierung elektromagnetischer Ausstrahlungen von luftgestützten Waffensystemen.

RAMONA wurde wurde 1990 von der NVA übernommen, kam aber nicht mehr zum Einsatz.

(KRTP = Komplet RádioTechnického Prieskumu = Funkelektronischer Aufklärungskomplex)


Erfassungstrupp III


Antenne AS 1006
 


ErfTrp III mit 2x LogPer-Antennen HL 0007
und VU-Parabolantenne (hinten)

System zur Aufklärung von Fernmeldeverbindungen und Datenübertragungsverfahren in Ein- und Mehrkanalsystemen. Der Trupp, in dem der Richtfunkaufklärungsgerätesatz der ehemaligen NVA mit der Bezeichnung NAPRAFORGO integriert war, bestand u.a. aus zwei Erfassungskabinen (NK-1, NK-2) mit einem Wachleiterplatz und vier Erfasserarbeitsplätzen. Es konnten die Frequenzbereiche von 20 MHz bis 18 GHz bearbeitet werden. Den Bedienern standen insgesamt vier Empfangsantennen zur Verfügung, ein Empfangsspiegel vom Typ AS-1006 mit drei Meter Durchmesser, ein 1,5 m VU-Parabolspiegel sowie zwei LogPer-Antennen R & S HL007.


Weitere Komponenten


Einsatz der verlastbaren FmEloAufklLw (Beispiel)

Zum Betrieb der Erfassungstrupps waren ausserdem eine KSM- Komponente (Kontrolle, Steuerung, Meldung) sowie Fernmeldeverbindungs- und Instandsetzungstrupps notwendig.

Grundsätzlich wurden zwei örtlich getrennte Einsatzstellungen (K1 und K2)  betrieben, um die Standorte aufzuklärender Waffensysteme mittels Kreuzpeilung feststellen zu können.

Je nach Lage war eine flexible Zusammenstellung verschiedener Truppkomponenten möglich und erlaubte dadurch, auf entsprechende Nutzerforderung verzugslos zu reagieren.


Mit der Umstrukturierung der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung wurden die Fernmeldesektoren A und F bis Ende 2004 aufgelöst. Das Personal und Material der mobilen Komponenten wurde den neuen mobilen EloKa-Bataillonen im Kommando Strategische Aufklärung zugeführt.


NATO-/Multinationale Übungen

Strong Resolve 95 Strong Resolve 95 Adventure Exchange 96 Dynamic Mix 96
Mobile Erfassung 95 Battle Griffin 96 Battle Griffin 1999
CENTRAL ENTERPRISE 1994 ELITE 95 Baumholder

Nationale Übungen / Kampagnen

Guter Umtausch 91

Alter Marabu 1993

Überprüfung HAWK