FERNMELDESEKTOR 61 Logo FmSkt 61

1956 wurde in Nörvenich die Fernmelde-Lehr- und Versuchskompanie der Luftwaffe (FmLVsuKpLw) aufgestellt, die vorübergehend nach Sonthofen verlegte. Erweitert zur Fernmelde-Lehr- und Versuchsabteilung (FmLVsuAbt), wechselte sie 1957 an den Standort Lechfeld.

Ihre Aufgabe war es, auf dem Gebiet des Fernmeldewesens, des Flugmelde- und Radardienstes neues Gerät und Material zu erproben, bei der Installation dieser Geräte mitzuarbeiten und Personal einzuweisen. Die Kompanien dieser Fernmelde-Lehr- und Versuchsabteilung 612 sollten Kader sein für die neu in der Luftwaffe aufzustellenden Einheiten des Führungsdienstes der Luftwaffe.

Im Mai 1958 wurde die Abteilung durch eine fliegende Komponente erweitert, die den Auftrag hatte, die Flugvermessung elektronischer Navigations- und Landehilfen aller Flugplätze durchzuführen. Später wurde der Auftrag um Fernmeldeaufklärung und Ausbildung von Flugzeugführern erweitert. Der Aufgabenzuwachs führte zur Umgliederung in das Fernmelde-Lehr- und Versuchsregiment 61 (FmLVsuRgt 61) im März 1961. Der Umfang der Ausbildungsaufträge ging in dieser Zeit zurück, neue Aufgaben kamen aber hinzu:

Ebenso brachte der Aufbau der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung im gesamten Bundesgebiet neue Aufgaben. In der Folge erhielt 1964 die 2. FmAusbBau Kompanie erstmals Aufgaben der FmEloAufkILw. Der eigentliche Beginn der technisch/logistischen Unterstützung für die Fm/EIoAufkILw datiert auf den 01.07.1964, als die zusätzlichen Aufgaben von der neu aufgestellten Technischen- und Versorgungskompanie Fernmelde- und Elektronische Aufklärung (5./FmLVsuRgt 61) durch Entwicklung, Fertigung, Kalibrierung, Instandsetzung und Installation von Geräten übernommen wurden. Wichtige Aufgaben des Regimentes waren u.a. die technische Ausrüstung der neuen Fernmeldetürme sowie die Modernisierungen der Anlagen.

Am 10. Juli 1964 erhielt die Kaserne, die bis dahin mit Lechfeld-Nord bezeichnet wurde, den Namen, "Ulrichkaserne", als Erinnerung an jenen Bischof, der fast 1000 Jahre zuvor in heldenhafter Weise die Ungarn besiegt hatte. Das "Crux Victorialis" wurde gleichsam zum Symbol für die Ulrichkaserne und deren Einheiten mit der Bezeichnung "61".

Am 31. August1976 bekam das Regiment eine zusätzliche fliegerische Aufgabe mit dem Einsatz der HFB-320 ECM (Hansa-Jet) als Störplattform für die Ausbildung von Personal in der Elektronischen Kampfführung (EloKa).

1980 wurden die fliegenden Teile des Regimentes herausgelöst, die HFB-Staffel und die gemeinsame Flugvermessungsstelle dem Jagdbombergeschwader 32 in Lechfeld unterstellt und die Flugdienststaffel aufgelöst. Die verbliebenen Teile des Regimentes wurden in der Fernmeldeabteilung 61 (FmAbt 61) zusammengefasst. Diese hatte alle Aufgaben des alten Regiments bis auf die Fliegerei übernommen und trotz Reduzierung zusätzliche Aufgaben im Bereich Radarvermessung und mobiler Erfassung er halten. Die erste Kompanie (die EloKa-Betriebskomponente) betrieb stationäre und später auch mobile Funküberwachung sowie den Fernmeldelehrzug für die TSLw 2. Die zweite Kompanie (die EloKa-technische Komponente) übernahm die Unterstützung der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung der Luftwaffe durch Entwicklung und Verbesserung der technischen Ausrüstung, den Betrieb mobiler Einsatzkomponenten und die Radarvermessung zur regelmäßigen Überprüfung aller Radarsensoren der CRC, der Raketenverbände und der Tiefflugüberwachung. Stab und Stabskompanie waren für die Führung und die Logistik zuständig.

Als neue Aufgabe kam für die FmAbt 61 auch die Unterstützung der Kampfverbände der Luftwaffe im Rahmen der Elektronischen Kampfführung hinzu. Dazu wurde am 1.Oktober 1980 eine neue Teileinheit mit der Bezeichnung "Zentralstelle für Bedrohungs-Anpassung" (ZBA) aufgestellt. Diese Teileinheit wurde zum 01.April 1988 heausgelöst und als neu aufgestellter Fernmeldesektor 62 dem Fernmeldebereich 72 in Feuchtwangen unterstellt.

Mitte der 80er Jahre nahm die Radarvermessung den praktischen Betrieb auf; Ende der 80er Jahre wurde wieder umorganisiert: die Funküberwachung wurde eingestellt, die mobilen Einsatzkomponenten der Aufklärung, Radarvermessung und die EloKa-Aufgaben wurden aus dem Auftragsspektrum der Abteilung herausgenommen und anderweitig unterstellt. Dies führte dazu, dass am 01. April 1989 die Abteilung aufgelöst wurde und die verbliebenen Aufgaben an den neu aufgestellten Fernmeldesektor 61 (FmSkt 61) übergingen.

Als technisch/ logistische Unterstützungseinheit der Fernmelde- und elektronischen Aufklärung der Luftwaffe unterstand der FmSkt 61 nun dem FmBer 70 in Trier.

Eine der von der FmAbt 61 geplante und übernommen Schwerpunktaufgabe war die Einrüstung der Wartungs- und Instandsetzungskabinen für die mobilen Aufklärungskomponenten. Die ebenfalls bereits früher geplante Modernisierung und Reinstallation der grenznahen Einsatzstellungen der FmEloAufkl wurde 1990 realisiert. Im Zuge dieses Großprojektes wurden die Arbeitsplätze der Erfasser sowie die Werkstätten aus den beengten Fernmeldetürmen in neu erbaute und geräumige Betriebsgebäude, "Horizontale Erweiterungen", verlegt. Die Entwicklung und Fertigung von Einzelkomponenten elektronischer und mechanischer Art für alle Verbände der FmEloAufklLw wurde konstant fortgesetzt.

Als Folge der Wiedervereinigung wurde nach 1990 das gesamte Konzept der FmEloAufklLw umgestellt:

Die Fernmeldebereiche 71 in Osnabrück und 72 in Feuchtwangen sowie die Erfassungssektoren E in Wunsiedel, C in Osterode/Harz,  Q in Hambühren, B in Dannenberg und H in Feuchtwangen wurden aufgelöst, der Fernmeldesektor D in Osnabrück und Hambühren umgegliedert und nach Berlin-Gatow verlegt. Seit 1990 hat der FmSkt 61 mehrere mobile Erfassungs- und Peilsysteme (z.B. KRTP-81 RAMONA, KRTP-86 TAMARA, BOLERO, NAPRAFORGO) der ehemaligen NVA übernommen und umgerüstet, um sie weiter nutzen zu können. Das hieß auch, sich mit einer ungewohnten Technologie und Konzeption vertraut machen, z.B. Umbau der Transportfahrzeuge, Übersetzen der Handbücher aus den Ostsprachen und Anpassung der elektrischen Anlagen auf westliche Standards. Die Umplanung der Aufklärung ging weiter. Die gesamte Struktur der FmEloAufkILw wurde im Wesentlichen auf mobile Erfassungssysteme umgestellt, die flexibel und unproblematisch jeweils an den Standort gebracht werden können, an denen ihr Einsatz erforderlich ist. 1993 übernahm der Sektor auch wieder eine fliegende Komponente: das hubschraubergestütztes Radarerfassungs- und Vermessungssystem (HES).

Bis zum 30.06.2002 war der FmSkt 61 in Lechfeld-Nord ein Verband der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung der Luftwaffe (FmEloAufkILw) und unterstand dem FmBer 70 in Trier mit dem er zum 01.07.2002 in die Streitkräftebasis (SKB) wechselte. Gemäss den Planungen wurde der FmSkt 61 aufgelöst bzw. Teile im Rahmen der Umstrukturierung aus- bzw umgegliedert. 

Wappen Fernmeldesektor 61 Das Wappen des Fernmeldesektor 61

Das in gotischer Form gehaltene Wappenschild mit dem roten Ulrichkreuz auf einem weiss-blauen, in 21 Rautenfeldern aufgeteilten Hintergrund symbolisiert die enge Verbundenheit mit der Geschichte des Lechfeldes die durch den Sieg des damaligen Herrn von Augsburg, dem Bischof von Augsburg, über die Ungarn auf dem Schlachtfeld geprägt ist.

Das Kreuz gilt seit der Schlacht auf dem Lechfeld 955 als Siegeskreuz und ist als "Ulrichkreuz" oder "Crux Victoralis" (Kreuz des Sieges) der Nachwelt überliefert worden. Immer wieder hat es zu künstlerischen Nachbildungen angeregt und fand im Laufe der Jahrhunderte seine verschiedensten Ausdrucksformen, wobei es auch jene Gestalt annahm, die der des späteren "Eisernen Kreuzes" ähnlich war.

Das Ulrichreuz hat auch eine Geschichte:

Der Legende nach erhielt Bischof Ulrich vom damaligen Papst im Jahre 954 ein Stückchen vom Kreuze Christi, das dieser seitdem an seiner Brust trug. Nach seinem Tode wurde das Stückchen dem toten Bischof als Grabbeigabe in die letzte Ruhestätte gelegt. 210 Jahre später, bei der ersten Graböffnung, wurde die Reliquie wieder herausgenommen und im 14. Jahrhundert in ein kleines, kunstvolles und kreuzförmiges Gefäß eingeschlossen. Dieses Kreuz, das Ulrichkreuz, erhielt auf der Rückseite noch einen Sinnspruch: "crux victoralis sancti udalrici epi aug" ("Siegendes Kreuz des Heiligen Ulrich, Bischof von Augsburg").

Im 15. Jahrhundert erhielt die Reliquie eine zweites, goldenes Kreuzgefäß und ist seit dieser Zeit Ziel von Wallfahrten und Gegenstand von Prozessionen. Für alle Zeiten soll dieses Kreuz an den Sieg über die Ungarn im Jahr 955 erinnern, an das Jahr, in dem es dem wehrhaften Bischof gelang, den Ungarn eine Niederlage zu bereiten und die Stadt vor der Heimsuchung durch die Magyaren zu bewahren.