DIE GESCHICHTE DER FERNMELDE- UND ELEKTRONISCHEN AUFKLÄRUNG DER LUFTWAFFE
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden in bewaffneten Konflikten Mittel und Verfahren der Elektronischen Kampfführung eingesetzt. Ziel ist es, einerseits potentielle militärische Gegner an der uneingeschränkten Nutzung des Äthers zu hindern und andererseits Informationen über ihre Absichten zu erhalten.
Die Funktelegrafie, weiche in der Mitte des 19. Jahrhunderts geschaffen wurde, hatte auch den Aufbau des Funkhorchdienstes zur Folge. Am 1. Oktober 1899 begann in Preußen die Elektronische Kampfführung mit der Aufstellung von drei Telegrafenbataillonen und einer Telegrafen-Schule. Vor dem Ersten Weltkrieg konnten diese Kräfte bei Einsätzen in Ostasien und Deutsch-Südwestafrika Erfahrungen sammeln.
Während des Ersten Weltkrieges beschäftigte sich die Telegrafentruppe, die ab dem 12. August 1914 durch einen Funkhorchdienst erweitert wurde, mit dem Abhören von Funkverkehren. Aus den Festungsfunkstellen Königsberg, Posen, Thorn und Graudanz gelang es, den russischen Funkverkehr systematisch abzuhören und auch gezielte Funkstörmaßnahmen durchzuführen. Zahlreiche Misserfolge in der Folge des Krieges führten jedoch zur Auflösung der am 11. November 1916 offiziell in Fliegerfunktruppe umbenannten Waffengattung und zur Eingliederung in die Heeresnachrichtentruppe.
Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrages 1919 blieb es Deutschland zunächst untersagt, eine eigene Luftwaffe und somit, einen eigenen Horchdienst aufzubauen. Ab 1933, dem Beginn des Aufbaus der Luftwaffe, wurde jedoch erneut die Forderung nach einer eigenen Nachrichtentruppe für die Luftwaffe laut. Zu diesem Zweck wurde Major Wolfgang Martin am 12. Juli 1933 als Heeresverbindungsoffizier und Leiter der Inspektion 7 (Nachrichtenwesen) im Reichsluftfahrtministerium eingesetzt. Seiner Initiative und der Weitsicht des Generalstabschefs der Luftwaffe, Generalmajor Walter Wever, war es zu verdanken, dass ab dem 1. Dezember 1933 die "Fliegerfunktruppe" wieder aufgestellt wurde. Die Ausbildung des Personals erfolgte seit 1. April 1934 an der Artillerieschule Jüterbog und später an der Luftnachrichtenschule in Halle an der Saale. Am 1. März 1935 wurde die Fliegerfunktruppe in Luftnachrichtentruppe umbenannt und neben der Fliegertruppe und der Flakartillerie als dritte Waffengattung der Luftwaffe unterstellt. Seit dem Aufbau der Luftnachrichtentruppe beschäftigte man sich in der Luftwaffe auch eingehender mit Funkimpuls- und Funkmessverfahren (Radar).
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges verfügte die Wehrmacht über eine leistungsfähige Funkaufklärung, die in Heer und Luftwaffe zunächst als Horchdienst und ab 1942 als Nachrichtenaufklärung bezeichnet wurde. Die Luftnachrichtentruppe hatte die Aufgabe, Funk-, Draht- und Richtfunkverbindungen sowie Flugmelde-, Jägerleitdienste, Flugsicherungs- und Funknavigationsaufgaben durchzuführen. Ihre Bedeutung zeigte sich in ihrer steten Vergrößerung. Während sie 1939 nur 334 Stäbe und Einheiten umfaßte, kamen mit der Mobilmachung weitere hinzu, bis sie am 1. Mai 1944 über 2690 Stäbe und Einheiten verfügte.
Wichtige Aufgaben vor und während des Zweiten Weltkrieges waren u. a.:
Jägerleitung und Führen von Bomberverbänden durch
Die deutsche Funkaufklärung kann schematisch wie folgt eingeteilt werden;
1. Funkhorchdienst
2. Funkmessbeobachtungsdienst
siehe dazu auch hier
Die geschichtliche Entwicklung der Luftnachrichtentruppe, letztendlich auch die der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung ist mit drei Namen eng verbunden. Es sind die Generale Friedrich Fahnert, Walter Suren und Wolfgang Martini.
Mit einer chronologischen Auflistung des militärischen Werdeganges von General Dr. Ing. h. c. Wolfgang Martini sollen dessen bedeutende soldatische Verdienste für die LN-Truppe aufgeführt werden.
Wolfgang Martini, geboren am 20. September 1891 in Lissa/Posen, als Sohn eines Landgerichtsdirektors, trat nach dem Abitur 1910 als Fahnenjunker in das Telegrafenbataillon in Treptow ein; die weitere Laufbahn Martinis soll an dieser Stelle tabellarisch gewürdigt werden:
Verleihung EK I und Ritterkreuz des Sächsischen Albrecht-Ordens mit Schwertern
Rettungsmedaille am Bande
Wolfgang Martini verstarb am 6. Januar 1963 im Alter von 71 Jahren. |
Die Folgen des 2. Weltkrieges treffen Menschen und Wirtschaft im damaligen, geteilten Deutschland in nie da gewesener Härte. In den besetzten westlichen Teilen eines „Nachkriegsdeutschland" entspannt sich jedoch die militärische Einflußnahme der „Alliierten Hohen Kommission" in den nächsten Jahren zusehends.
Am 26. Februar 1950 wird das Grundgesetz um den Passus „Die Wehrhoheit des Bundes" ergänzt. In der „Himmeroder Denkschrift" und in der Dienststelle „Blank" im Oktober des gleichen Jahres erhält eine zukünftige Bundesstreitkraft konkretere Formen und am 5. Mai 1955 proklamiert die Bundesregierung die Aufhebung des Besatzerstatus und es erfolgt die Auflösung der „Alliierten Hohen Kommission".
Bereits am 7. Juni 1955 entsteht das Bundesministerium für Verteidigung. Die Einberufung der ersten 1000 freiwilligen Soldaten zum Dienst in der Bundeswehr erfolgt bereits wenige Monate später, am 2. Januar 1956.
Schon 1953 war im "Amt Blank" ein "Funkhorchdienst Luftwaffe" geplant, der Folgendes gewährleisten sollte:
Die Bundeswehr entsinnt sich bei ihrem Aufbau in den "Nachkriegsjahren" der Luftnachrichtentruppe und man greift auf bewährte Kräfte der ehemaligen Luftnachrichtentruppe zurück. Neben den beiden Diensten „Fernmeldeverbindung" und „Radarführung" sowie der „Militärischen Flugsicherung" ist die „Elektronische Kampfführung" das vierte Standbein der Führungsdienste innerhalb der Luftwaffe der Bundesrepublik Deutschland. Sie hat den Auftrag im 24stündigen Einsatz Stärke und Absichten eines möglichen Gegners rechtzeitig zu erkennen. Mit dem Sammeln von Informationen über Stärke. Ausrüstung und deren Bereitstellung befähigt sie die eigene Führung zu einem lagegerechten Einsatz von Mitteln und Kräften zum Schutz Deutschlands; ab 03. Oktober 1990 dann wiedervereint.
1956 begann dann der Aufbau der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung der Luftwaffe als Dienstbereich der neuen Führungsdienste der Luftwaffe:
02.07.1956
Die Luftwaffe beginnt in Uetersen erste Einführungslehrgänge. Im Lehrgang C, unter Führung von Major Geppert, sind ehemalige Angehörige der Luftnachrichtentruppe zusammengefasst. Nach und nach kristallisieren sich Spezialzüge heraus, darunter ein so genannter H-Zug, der Horchfunker und Auswerter im Nachrichtenwesen zusammenfasst. Hauptmann Hermann Quermann erhält den Befehl diesen H-Zug zu führen.
August 1956
Aufstellung Vorkommando Zentralauswertung für Funk- und Radarbeobachtung in Porz-Wahn beim Allgemeinen Luftwaffenamt, Gruppe Fernmeldewesen
September 1956
Die Fernmelde-, Lehr- und Versuchskompanie der Luftwaffe (FmLVsuKpLw) wird in Nörvenich/Eifel neu aufgestellt. Ein Zug mit Horchfunkern und Auswertern wird von Uetersen nach Nörvenich versetzt und der dort stationierten Fernmelde-, Lehr- und Versuchsabteilung 612 als 4. Zug angegliedert.
Der an die FmLVsuKpLw angegliederte 4. Zug bildet die Keimzelle des späteren Fernmelderegimentes 71.
In den folgenden Monaten bereiten sich die Soldaten des
4./FmLVsuKpLw auf ihre zukünftigen Sonderaufgaben vor. Geburtswehen bestimmen
den Dienstbetrieb bei der Aufnahme des Kurzwellenempfangs, die eingesetzten
Soldaten lassen jedoch nicht locker. Zeitgleich beginnt eine noch provisorische
Sprachausbildung. Durch die Installierung von Langdrahtantennen auf dem
Fliegerhorst Nörvenich schafft man den Durchbruch und in einer Auswertezelle
„klickern" nun permanent elektronische Ausstrahlungen durch die Empfänger.
Horchfunker der ersten Stunde: Stabsfeldwebel Kleba sowie die Oberfeldwebel
Wasner, Wandtke und Wittkowski.
Die militärische Nachrichtengewinnung beginnt.
Oktober 1956
Der 4. Zug beginnt mit provisorischen Mitteln auf dem Fliegerhorst Nörvenich mit dem Kurzwellenempfang.
Dezember 1956
Die Zentrale für Funk- und Radarbeobachtung wird selbständig und erhält 1957 die Bezeichnung Zentralauswertung der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung. Diese ist beim Allgemeinen Luftwaffenamt untergebracht.
10.01.1957
Das Kommando der Luftwaffenorganisation Nord/A 3-A5 ordnet die Aufstellung des Vorauspersonals (V.P.) Fernmeldeabteilung 711 (FmAbt 711) an. Das V.P. ist identisch mit dem bisherigen 4. Zug Fernmeldelehr- und Versuchskompanie (4./FmLVsuKp) in Nörvenich.
Die künftige Organisation des Verbandes legt Kommandeur Oberstleutnant Georg Oeljeschläger mit dem Abteilungsbefehl Nr. 1 fest: Neben dem Stab wird zusätzlich die 5. Kompanie aufgestellt, deren Personal sich ebenfalls aus der 4./FmLVsuKp rekrutiert. Oberstleutnant Oeljeschläger stehen der stellvertretende Kommandeur, Hauptmann Quermann und Kompaniefeldwebel, Oberfeldwebel Just, zur Seite. Das restliche Personal der FmLVsuKp wird zum Aufbau einer LVsuAbt nach Sonthofen versetzt.
Weitere Bereiche übernehmen Hauptmann Bruno Neumann als Einsatz-Auswerteoffizier; ihm obliegt des weiteren die Sprachausbildung. Die Oberleutnante Krapp und Steinbach sind zuständig für die Endauswertung. Oberleutnant Müller führt die Betriebsauswertung und Oberleutnant Peitzmann ist in der Peilauswertung eingesetzt. Für den Empfängereinsatz zeichnet Oberleutnant Aniol verantwortlich.
Eine Flugzeughalle auf dem Fliegerhorst Nörvenich wird so erweitert, dass die Funkbeobachtungsstelle und die Auswertezelle dort eingerichtet werden können; der dazugehörige Peiler erhält seinen Platz etwas außerhalb des Fliegerhorstbereiches. Garantierten die technischen Komponenten nun eine geordnete Erfassung, so muss sich das Bedienerpersonal in einer Werfthalle provisorisch wohnlich einrichten; andere Teile der Halle dienen als Wirtschaftsgebäude.
Das Bundesministerium der Verteidigung (Abt. VI/3, Luftwaffe) ordnet mit dem Luftwaffenaufstellungsbefehl Nr. 39 offiziell die Aufstellung der FmAbt 711 an, somit ist dieser Tag die offizielle Geburtsstunde des späteren Fernmelderegiment 71 (FmRgt 71). Der FmAbt 711 gehören jetzt neben dem Stab die 5./FmAbt 711 und die 1./FmAbt 711 an.
07.02.1957
Zu dieser Zeit hatte sich die Abteilung schon soweit aufgefüllt und konsolidiert, dass eine erste Gliederung in einen Stab und zwei Kompanien, die erste (der spätere Fernmeldesektor C) und die fünfte (der spätere Fernmeldesektor N), erfolgen konnte.
Der Chef des Stabes der Luftwaffenorganisation Nord verfügt die Verlegung der Abteilung an die Standorte Osnabrück und Bückeburg.
22. - 24.02.1957
Gemäß Abteilungsbefehl Nr. 2 verlegen der Stab FmAbt 711, die 5./FmAbt 711 und der Anteil ‚Empfangszug Telegrafie’ der 1./FmAbt 711 in das Verwaltungsgebäude der Flakkaserne am Hauswörmannsweg in Osnabrück.
Der restliche Anteil der 1./FmAbt 711 wird in der ehemaligen Heeresmusikschule in Bückeburg untergebracht. Nach der Verlegung wird das Vorauspersonal Fernmeldeabteilung 711 dem Kommando der Luftwaffenbodenorganisation Nord in Münster (ab 01.02.1957 Luftwaffenkommando Nord - LwKdoN) unterstellt.
23.02.1957
In Osnabrück nimmt die 5./FmAbt 711 den Kurzwellenempfang auf.
22.03.1957
Die 1./FmAbt 711 beginnt mit der Verlegung nach Göttingen. Damit kommen Teile des Empfangszuges der 5./FmAbt 711 wieder zur 1./FmAbt 711. In der Göttinger Zieten-Kaserne werden von den britischen Behörden die Blöcke 4 und 14 übernommen; im letzteren quartiert man sich ein und im obersten Geschoß wird eine Funkempfangsstelle eingerichtet. Im Juli zieht man dann von Block 14 in Block 4 um, der später in Block 55 umbenannt wird (siehe Lageplan). |
10.05.1957
Die FmAbt 711 erhält ihre erste Stärke- und Ausrüstungsnachweisung (STAN), nach der sich der Stab wie folgt gliedert:
Der Personalbestand umfasst im Soll
15.08.1957
Noch in Bückeburg wird die 2./FmAbt 711 aufgestellt, die bereits im September nach Osnabrück umzieht.
September 1957
Aufstellung der 4./FmAbt 711 in Osnabrück. Diese Erfassungskompanie rekrutiert sich aus der 1./FmAbt 711 und den Erfassern der 5./FmAbt 711. Damit wird die 5./FmAbt eine reine Auswertekompanie.
01.10.1957
Die Fernmeldeabteilung 711 wird der neu geschaffenen Luftwaffengruppe Nord in Münster unterstellt.
22.11.1957
Nachdem die ab Juni 1957 laufenden Empfangsversuche im Raum Göttingen befriedigende Ergebnisse zeigen, wird auf der wenige km entfernt gelegenen Mackenroder Spitze eine provisorische Empfangsstelle für die 1./FmAbt 711 aufgebaut. Wenig später treffen amerikanische Partner mit Gerätewagen ein, um mit der Radarausbildung (Elo-Ausbildung) des künftigen Betriebspersonals zu beginnen. Ebenfalls im November beginnt die 2./FmAbt 711 mit der Verlegung von Osnabrück nach Hambühren. Dort übernimmt sie die bisher vom 14. Signal Regiment des britischen Heeres (Hauptstandort Wesendorf bei Gifhorn) genutzte Kurzwellenerfassungsanlage einschliesslich der Heptagon-Erfassungsanlage.
1957/58
Zur Elektronischen Aufklärung von sowjetischen Luftraumüberwachungsradargeräten wird ein Radioteleskop auf dem
1958
In Zusammenarbeit des Ingenieurstabes des Allgemeinen Luftwaffenamtes in Köln-Wahn mit der USAFE, regionalen Infrastrukturbehörden und dem Planungsbüro Dieterich - Beratende Ingenieure in Mainz hatte der Projektoffizier des Luftwaffenamtes, der damalige Hauptmann Eberhard Skibbe, in sehr kurzer Zeit für eine stationäre Aufklärung die neuen Fernmeldetürme der Luftwaffe geplant, deren Bau und Ausrüstung in weniger als fünf Jahren realisiert werden konnten. Hauptmann Skibbe wird auch als „Vater der Fernmeldetürme“ bezeichnet.
01.04.1958
Durch den Führungsstab der Luftwaffe wird mit Luftwaffenaufstellungsbefehl Nr. 79 die Aufstellung des Fernmeldeführer B Süd (FmFhr „B“ Süd) , dem späteren Fernmelderegiment 72 (FmRgt 72) beschlossen. Das Funk- und Radarbeobachtungspersonal sowie entsprechende Geräte werden von der Fernmeldeabteilung 711 gestellt. Zwischenunterkunft auch für den neuen für den Kurzwellenempfang zuständigen Fernmeldebeobachtungssektor H wird die Ludwig-Frank-Kaserne (ehemals Lüttich-Kaserne) in Mannheim.
Die endgültigen Standorte für die einzelnen Einheiten sollen sein:
Stab Fernmeldeführer „B" Süd in Feuchtwangen
Luftwaffensanitätsstaffel in Feuchtwangen
Fernmeldebeobachtungssektor im E Raum Wunsiedel
Fernmeldebeobachtungssektor F Raum Furth i.W.
Fernmeldebeobachtungssektor G im Raum Berchtesgaden
Fernmeldebeobachtungssektor H in Feuchtwangen
Fernmeldeauswertezentrum Süd in Feuchtwangen
Der FmFhr B Süd wird der Luftwaffengruppe Süd (LwGrpS) in Karlsruhe unterstellt.
01. Mai 1958
Durch einen
Organisationsbefehl der Luftwaffengruppe Nord wird die FmAbt 711 in
Fernmeldeführer „B“ Nord (FmFhr „B“ Nord) umbenannt. Damit ist die erste Phase
der Aufstellung abgeschlossen
Der FmFhr „B“ Nord, geführt
von Oberstleutnant Oeljeschläger, hat nun folgende Gliederung:
Stab FmFhr „B“ Nord in Osnabrück
Damit sind die bisherigen Kompanien in Fernmeldebeobachtungssektoren bzw. Fernmeldeauswertezentrale Nord umbenannt worden. So entstehen aus
Die 3./FmAbt 711, bisher nur in Planungsunterlagen existent, wird in FmBeobSkt A umbenannt. |
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05.05.1958
Der Führer des vorgesehenen Vorauskommandos, Oberleutnant Knirsch meldet sich beim Standortkommandanten von Mannheim, Major Schoefinius.
Juni 1958
Nachdem die ersten Erfasser und Auswerter vom FmFhr B Nord in Mannheim eingetroffen sind, werden die ersten Funkverkehre aufgenommen..
Die in den USA ausgebildeten HF-Horchfunker werden in Osnabrück eingesetzt. Die dortige FmAuswZentrNord ist nun mit Sofort-, Haupt-, Betriebs- und Endauswertung und Entzifferung arbeitsbereit.
10.09.1958
Oberstleutnant Gottschalk übernimmt als Kommandeur das Vorauspersonal „Fernmeldeführer B Süd",
Oktober 1958
Dem FmBeobSkt D stehen nun folgende Kurzwellenpeiler zur Verfügung: Feuchtwangen-Tauberschallbach, Westerkappeln, Husum, Hambühren und Flensburg - Mürwik. Damit wird die Qualität der beiden HF-Peilbasen der FmFhr B Nord und Süd gesteigert. Für den FmBeobSkt C wird eine weitere Einsatzstellung auf dem Stöberhai im Harz in Betrieb genommen.
In einer ersten Einsatzübung wird die Meldungserstattung von den FmBeobSkt B, C und D an die FmAuswZentrNord erprobt.
15.10.1958
Der Fernmeldebeobachtungssektor H übernimmt den Kurzwellenpeiler in Feuchtwangen.
07.11.1958
Der FmFhrB Süd wird mit Abteilungsbefehl Nr. 1 in Stab, Fernmelde-Beobachtungssektor H und Sanitätsstaffel A gegliedert. Die nächsten Schritte beim Aufbau des zukünftigen Regiments stellen die Besichtigung des Peilers Feuchtwangen sowie die Lageerkundung am Schneeberg, Hohen Bogen und am Untersberg bei Bad Reichenhall durch Oberstleutnant Gottschalk und Hauptmann Skibbe dar.
01.01.1959
Umbenennung der Einheiten in Fernmeldesektoren. Obwohl im Laufe der Jahre wesentlich stärker geworden, behalten sie in etwa die Gliederung einer Kompanie.
Fernmeldeführer B Nord in Osnabrück:
- Fernmeldesektor B in Hambühren
- Fernmeldesektor C in Göttingen
- Fernmeldesektor D in Osnabrück
- Fernmeldesektor N in Osnabrück
Fernmeldeführer B Süd in Mannheim:
- Fernmeldesektor H in Feuchtwangen
01.02.1959
In Osnabrück wird der Fernmeldesektor A des FmFhr B Nord aufgestellt. Er war bereits als 3./FmAbt 711 vorgeplant. Als endgültiger Standort ist Großenbrode vorgesehen.
24.02.1959
Für die auf dem Stöberhai tätigen Soldaten des FmSkt C wird in Wieda eine Außenstelle der Sektorführung eingerichtet.
Mai 1959
Der FmFhr B Süd beordert einen Luftwaffenpeiltrupp nach Langenargen, um eine Peilbasis der Luftwaffe aufzubauen.
16.05.1959
Aufstellung Fernmeldesektor S des FmFhr B Süd in Mannheim. Der Sektor ist für die Auswertung des Materials aus dem Bereich des FmFhr B Süd zuständig.
20.05.1959
Der FmSkt A verlegt von Osnabrück nach Großenbrode. Nach dem Aufbau der Einsatzstellung "Strand", kann ab dem 01.06.1959 die Betriebsaufnahme erfolgen.
15.10.1959
Der noch in Hambühren stationierte FmSkt B beginnt im Raum Lüchow mit der Probeerfassung aus einer mobilen Aufklärungsstelle heraus. Diese mobile Einsatzstelle wird bis Anfang 1960 betrieben.
Herbst 1959
Die Sofort- und Tagesmeldungen sowie die Wochenberichte über Fernschreibleitungen von Osnabrück und Feuchtwangen zur Zentralauswertung in Porz-Wahn gesendet und dort zu einer taktisch/ betrieblichen Gesamtlage zusammengefaßt. Vor allem aber ist die Dienststelle für die zentrale Kurzwellenauswertung und Entzifferung zuständig.
1959
Erste Versuche einer luftgestützten Funkerfassung werden mit dem
LFZ-Typ Hunting PEMBROKE C.Mk.54 des
Fernmelde- Lehr- und Versuchsregimentes 61 durchgeführt. Das Erfasserpersonal kommt vom
FmFhr "B" Nord in Osnabrück und steigt in Wunstorf zu.
Januar 1960
Umbenennung des Fernmeldeführers B Nord in Fernmelderegiment 71 und Fernmeldeführers B Süd in Fernmelderegiment 72.
Juli 1960
Auf einem Gipfel des
Untersbergs,
dem 1972 m hohen Berchtesgadener
Hochthron bei Bad Reichenhall/Berchtesgaden, werden erste Erfassungsversuche
unter der Bezeichnung "GAMSBOCK" für den seit April 1958 geplanten Fernmeldesektor G des FmRgt 72 durchgeführt. Aufklärungsschwerpunkte sollen auch die in Ungarn stationierten
sowjetischen Streitkräfte (Südgruppe der Truppen = SGT) und die Ungarische
Volksarmee (UVA) sein. |
Offizielle Indienststellung Fernmeldesektor E des FmRgt 72 in Thurndorf (bei Pegnitz). Das Vorauspersonal hat schon ab Oktober 1959 im Raum Thurndorf Probeerfassungen durchgeführt.
1961
Die in Porz-Wahn stationierte Zentralauswertung der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung wird in Zentrale für Funkanalyse umbenannt.
Februar 1961
Beim FmSkt A wird nach der Stellung Strand eine zweite Einsatzstellung bei Klaustorf, für Radarbeobachtung und VHF-Empfang, eingerichtet.
Juni 1961
Das FmRgt 72 verlegt mit Stab, FmSkt H und FmSkt S von Mannheim nach Feuchtwangen. Schon am 28.06.1961 kann der FmSkt H den Erfassungsbetrieb am neuen Standort aufnehmen. Die Liegenschaft erhält 1965 den Namen "Hochmeister-Kaserne"
01.07.1961
Am Standort Hambühren wird ein Fernmeldesonderzug aufgestellt. Das Personal rekrutiert sich aus dem FmSkt B. Es folgt eine enge Zusammenarbeit mit dem ebenfalls in Hambühren stationierten II. Zug des FmSkt D.
22.08.1961
Der FmSkt E übernimmt die nach vorheriger Mitbenutzung die Einsatzstellung der US-Army auf dem Schneeberg im Fichtelgebirge.
01.11.1961
Als letzter Fernmeldesektor wird der Fernmeldesektor F des FmRgt 72 in Furth im Wald aufgestellt. Die Erfassungsstelle ist jedoch schon im August auf dem Hohen Bogen im Bayerischen Wald in Betrieb genommen worden.
In 1961 begannen auch konkrete Planungen zum Ausbau von sechs grenznahen Einsatzstellungen. Projektoffizier beim Ingenieurstab des Luftwaffenamtes ist Hauptmann Skibbe, später auch Kommandeur FmRgt 71 Osnabrück.
Sommer 1962
Die luftgestützte Funkerfassung mit dem LFZ-Typ Hunting PEMBROKE C.Mk.54 des FmL/VsuRgt 61 wird auch mit Erfasserpersonal, das der FmSkt S in Feuchtwangen abstellt und auf dem Flugplatz Niederstetten zusteigt, fortgeführt. Die Flüge finden bis Ende des Jahres statt.
August 1962
Nach längerer Probeerfassung auf dem Hohen Mechtin, im Landkreis Lüchow-Dannenberg, beginnt der FmSkt B dort eine geregelte Radarerfassung zu betreiben. Diese Stellung wird aber kurze Zeit später aufgegeben.
31.10.1962
Das Fernmelderegiment 71 zieht um. Nach der Von-Stein-Kaserne wird nun die General-Martini-Kaserne das neue Domizil.
Ein in 1962 initiierter Versuch, eine echtzeitnahe Zusammenführung der Ergebnisse der FmEloAufklLw und der Luftraumüberwachung Radar zu realisieren, scheitert und wird 1968 endgültig aufgegeben.
Baubeginn der Fernmeldetürme:
Die Türme werden nach einer Bauzeit von jeweils ca. zwei bis drei Jahren in Betrieb genommen. Die Einrüstung der neuen Geräte und Antennen wird u.a. von dem in Lechfeld stationierten Fernmelde-Lehr- und Versuchsregiment 61 (später Fernmeldesektor 61 durchgeführt. Stellvertretend der in Bildern dokumentierte Bau Turm A
(Großenbrode) von 1963 - 1967:
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Inbetriebnahme der Fernmeldetürme:
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Gemäß dem gültigen stationären Einsatzkonzept der grenznahen Fernmeldesektoren (Fernmeldetürme) in Verbindung mit der gemeinsamen Nutzung durch Heer und andere Bedarfsträger sowie der personellen Verstärkung sind die zugehörigen Unterkunftsbereiche festgelegt:
Die errechneten Erstellungskosten für die Infrastruktur (je Fernmeldeturm und Truppenunterkunft - TUK) sind mit Stand 1965 wie folgt angegeben:
a) | ||
TUK ("Talsektoren") Skt A und B | 22,0 Mio | DM |
Turm (Talsektoren) A und B | 24,0 Mio | DM |
b) | ||
TUK ("Bergsektoren") C, E, F | 34,0 Mio | DM |
Turm (Bergsektoren) C, E, F | 42,0 Mio | DM |
c) | ||
Mittelwert TUK = 22,0 + 34,0 = 56:2 = | 28,0 Mio | DM |
Mittelwert Turm = 24,0 + 42,0 = 68:2 = | 34,0 Mio | DM |
d) | ||
Gesamterstelllungskosten pro Sektor = | 62,00 Mio | DM |
01.03.1963
Das Fernmelderegiment 72 in Feuchtwangen wird dem Kommando der 2. Luftwaffendivision in Trier-Euren unterstellt. Die Division verlegt noch im gleichen Jahr nach Karlsruhe.
April 1963
Der FmSkt B setzt ein Kommando zur Inbetriebnahme einer neuen Einsatzstellung auf dem Thurauer Berg (östlich Lüchow) in Marsch.
Juli 1963
Die Einsatzstellung Mackenroder Spitze des FmSkt C wird abgebaut. Gleichzeitig gibt der FmSkt C die HF-Erfassung an den FmSkt D in Osnabrück ab.
September 1963
Für den FmSkt B wird eine weitere mobile Einsatzstellung bei Clenze/Lüchow in Betrieb genommen.
15.10. 1963
Das Fernmelderegiment 71 in Osnabrück wird der 6. Luftwaffendivision in Münster unterstellt.
November 1963
Der FmSkt A beginnt, die neu gebaute Kaserne in Großenbrode zu belegen. Sie erhält später den Namen "Fehmarnsund - Kaserne".
1964
Beginn der Planung, die Zentrale für Funkanalyse (ZfFu) in Trier zu stationieren. Das dort im Aufbau befindliche Rechenzentrum der Bundeswehr sollte mit für die ZfFu genutzt werden.
Februar 1965
Die ZfFu beginnt mit der Verlegung von Porz-Wahn nach Trier. Endgültig wird der Standort, nachdem das BMVg die Verlegung der Zentrale für Funkanalyse ab 01.10.1965 nach Trier befohlen hat. Truppendienstlich und für den Einsatz ist die ZfFu der neu aufgestellten Inspektion Führungssysteme der Luftwaffe innerhalb des Luftwaffenamtes unterstellt.
Oktober 1965
Die Einsatzstellung Strand des FmSkt A wird aufgegeben.
24.11.1965
Der FmSkt F verlegt von Furth im Wald nach Kötzting. Die neu gebaute Truppenunterkunft erhält 1978 den Namen "Hohenbogen - Kaserne".
01.12.1965
Der FmSkt E verlegt von Thurndorf nach Wunsiedel und bezieht am 26.01.1967 die neue Kaserne, die später den Namen "Fichtelgebirgs-Kaserne" erhält. In Eriskirch am Bodensee wird nach zweijährigen Bauzeit eine neue Peilfunkstelle fertiggestellt und von der Luftwaffe und Marine in Betrieb genommen.
In 1965 wurden bei den FmRgt 71 und 72 jeweils zusätzlich eine Stabs- und Versorgungskompanie (später sektor) eingerichtet.
06.-24.02.1967
Erstmalig beteiligt sich Erfassungspersonal der Luftwaffe an einem Aufklärungseinsatz auf einem
01.03.1967
Die seit Mai 1959 am Bodensee im Peildienst tätigen Soldaten werden in der neu aufgestellten Peilzentrale Süd zusammengefasst und dem FmRgt 72 unterstellt.
November 1967
Die Stellung "Clenze" des FmSkt B wird aufgegeben.
1968
Nachdem die Planungen für eine gemeinsam von der Fm/EloAufkl Luftwaffe und Marine zu betreibende luftgestützte Erfassungskomponente beendet waren, erhielt die amerikanische Firma E-Systems den Auftrag zur Entwicklung und Bau der speziellen Erfassungssysteme, einschließlich deren Einbau in fünf Flugzeuge. Als Trägerplattform sind die zum Marinefliegergeschwader 3 "Graf Zeppelin" in Nordholz gehörenden Seeaufklärer
01.08.1968
Der in Hambühren stationierte Fernmeldesonderzug wird in Fernmeldesektor Q umbenannt.
November 1968
Der FmSkt B verlegt von Hambühren in die Kaserne Neutramm. Die in Hambühren verbliebenen Horchfunker sind bereits am 01.11.1967 als II. Zug dem FmSkt D in Osnabrück angegliedert worden.
20.02.1969
Beginn der Verlegung von Teilen der Zentrale für Funkanalyse von Porz-Wahn nach Trier, die am 01.04.1970 abgeschlossen wird.
Februar 1969
Mit einer
September 1969
Obwohl seit 1958 die Planungen an einer Einsatzstellung auf dem Untersberg laufen (geplant FmSkt G), die Kosten aber im Laufe der Jahre ins Unermessliche anstiegen, zog man schon 1966 in Erwägung, eine leichtere und niedrigere Variante des Fernmeldeturms für den Untersberg zu planen. Im September erfolgte durch die FmAbt 61 der Aufbau einer Antennenanlage auf dem Untersberg.
16.02.1970
Aus dem "Plan für die Nachrichtengewinnung über Fremde Staaten Ost" des BMVg FüS II 2 kann erstmals ein offizieller Auftrag der FmEloAufklLw abgeleitet werden.
Anfang 1970
Die Arbeiten für die luftgestützte Erfassungskomponente sind so weit fortgeschritten, dass die Bildung einer Borderfassungscrew in Trier beauftragt wird. Die später in einer Teileinheit der ZfFu zusammengefassten Soldaten rekrutieren sich vor allem aus dem Personalbestand der Erfassungssektoren.
Frühjahr 1970
Aufgrund der Einwände verschiedener beteiligter Behörden widerruft die Bayerische Staatskanzlei die 1962 erteilte Baugenehmigung. Trotz der bautechnischen Probleme und der Kostenentwicklung ist damit die in Planung befindliche sechste Einsatzstellung auf dem Untersberg und somit auch die Aufstellung des geplanten FmSkt G endgültig hinfällig.
01.10.1970
Im Zuge der Neugliederung der Luftwaffe werden u.a. die Einheiten der
Fm/EloAufklLw dem neugeschaffenen Luftwaffenführungsdienstkommando (LwFüDstKdo)
in
Köln-Wahn unterstellt:
Zentrale für Funkanalyse in Trier
Fernmelderegiment 71 in Osnabrück
- Fernmeldesektor A in Großenbrode
- Fernmeldesektor B in Neutramm
- Fernmeldesektor C in Göttingen und Wieda
- Fernmeldesektor D in Osnabrück
- II./Fernmeldesektor D in Hambühren
- Fernmeldesektor N in Osnabrück
- Fernmeldesektor Q in Hambühren
Fernmelderegiment 72 in Feuchtwangen
- Fernmeldesektor E in Wunsiedel
- Fernmeldesektor F in Kötzting
- Fernmeldesektor H in Feuchtwangen
- Fernmeldesektor S in Feuchtwangen
- Peilzentrale Süd in Eriskirch
01.04.1971
Die beiden Fernmeldesektoren N (Osnabrück) und S (Feuchtwangen) werden aufgelöst und zusammen mit der Zentrale für Funkanalyse mit dem Organisationsbefehl des BMVg FüL IV vom 25.01.1971 in Trier zum Fernmeldebereich 70 zusammengefasst, der gleichzeitig einem Regiment gleichgesetzt wird.
Fernmeldebereich70 in Trier
Fernmelderegiment 71 in Osnabrück
- Fernmeldesektor A in Großenbrode
- Fernmeldesektor B in Neutramm
- Fernmeldesektor C in Osterode
- Fernmeldesektor D in Osnabrück
- II./Fernmeldesektor D in Hambühren
- Fernmeldesektor Q in Hambühren
Fernmelderegiment 72 in Feuchtwangen
Die Stationäre Fernmelde- und
Elektronische Aufklärung der Luftwaffe bis 2002
zu
den Wappenbeschreibungen der Fernmelderegimenter 71 und 72
die Lokationen der ehemaligen FmEloAufklLw als
placemarks für google earth
herunterladen: (Ortsangaben ohne Gewähr)
In einer 2019 verfassten Bachelor-Arbeit über die Geschichte der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung mit Schwerpunkt der Station auf dem Hohen Bogen geht die die tschechische Studentin der Westböhmischen Universität Pilsen Veronika Edelová auch auf die Bedeutung Fernmelde- und Elektronische Aufklärung zur Zeit des Kalten Krieges allgemein ein:
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der Bachelor-Arbeit in deutscher Sprache
Von 1996 bis 2009 existierte in Trier der "Traditionsverein Fernmelde- und Elektronische Aufklärung Luftwaffe e.V." , der 1997 auch eine interessante und umfangreiche Schausammlung mit allerlei technischem Gerät zum Thema eingerichtet hatte:
=> download "Tradition und
Technik - ein Führer durch die Schausammlung " als PDF
(ca. 3 MB,
Stand Juli 1998)
Aufgrund der starken Reduzierung der Bundeswehr in den letzten Jahren hat die Vorwarnzeit an Bedeutung eher zugenommen. Mit der Fähigkeit, Veränderungen der militärischen Bedrohung frühzeitig zu erkennen, ist die Fernmelde- und Elektronische Aufklärung vor allem im Frieden ein wichtiges Instrument für die Vorwarnung. Sie ist damit auch ein Element einer defensiven Abschreckungsstrategie und gibt der Führung die notwendige Reaktionszeit und -möglichkeit zur politischen Bewältigung von Krisen.
Der Golfkrieg 1991 z.B. hat die Bedeutung der Elektronischen Kampfführung sehr anschaulich dargestellt. Der schnelle Erfolg der alliierten Streitmacht gegen Saddam Hussein ist nicht zuletzt auf eine sehr gute Fernmelde- und Elektronische Aufklärung zurückzuführen. Die Elektronische Kampfführung wird auch in Zukunft flexibel agieren müssen, um mit der sich immer schneller entwickelnden Technik Schritt halten zu können.
Im Rahmen der Elektronischen Kampfführung stehen moderne Antennen- und Empfangssysteme sowie Datenverarbeitungsanlagen zur Verfügung, mit deren Hilfe moderne Waffensysteme aufgeklärt und die Absichten der potentiellen Gegner frühzeitig erkannt werden können. Durch die koordinierte Zusammenarbeit mit den Teilstreitkräften Marine und Heer sowie den Verbündeten der NATO, leistete die Fernmelde- und Elektronische Aufklärung der Luftwaffe einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Partner unter dem Motto:
"Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit"
DIE ZUKUNFT DER FERNMELDE- UND ELEKTRONISCHEN AUFKLÄRUNG
Um auch in Zukunft den hohen Anforderungen gerecht zu werden, wurde im November 1998 an den Generalinspekteur der Bundeswehr der Auftrag erteilt, eine Bestandsaufnahme der Bundeswehr vorzunehmen mit dem Ziel, eine grundlegende Reform einzuleiten. Für die Fernmelde- und Elektronische Aufklärung von Luftwaffe, Heer und Marine bedeutete dies die Überführung ihrer Kräfte und Mittel in die am 01.10.2000 neu aufgestellte Streitkräftebasis (SKB).
Der Fernmeldebereich 70 in Trier mit den Fernmeldesektoren A (Großenbrode), D (Berlin-Gatow), F (Kötzting), 61 (Kleinaitingen) und 62 (Trier) war bis zum 30.06.2002 ein Verband der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung der Luftwaffe (FmEloAufkILw) und unterstand unmittelbar dem Luftwaffenführungsdienstkommando in Köln.
Gemäß der Entscheidung des Bundesministers für Verteidigung und den Planungen zur "Neuausrichtung der Bundeswehr von Grund auf" wurde der Verband am 01.07.2002 in die Streitkräftebasis überführt und gleichzeitig dem Kommando Strategische Aufklärung (KdoStratAufkl) in Rheinbach unterstellt. Zeitgleich erfolgte auch die Umbenennung in Fernmeldebereich 92. Der Fernmeldesektor 62 verblieb in der Luftwaffe und ist als "Zentrum Elektronischer Kampf Fliegende Waffensysteme der Bundeswehr" direkt dem Luftwaffenführungskommando unterstellt. Das Luftwaffenführungsdienstkommando wurde zum 01.07.2002 aufgelöst, da auch die Aufgaben der Fernmelderegimenter 11 und 12 in die SKB verlagert wurden.
IMit dem Papier "Eckwerte für die konzeptionelle und planerische Weiterentwicklung der Streitkräfte " des BMVg vom 23.05.2000 wurden die neuen Aufgaben und Strukturen festgelegt. Der Aufbau der Streitkräftebasis, einschließlich Aufstellung neuer Kommandobehörden, Übernahme der Aufgabenverantwortung, Überführung von Kräften aus den Teilstreitkräften und Aufstellung neuer Kräfte war bis zum 31.12.2005 abgeschlossen. |