Der Zentrale Funkdienst (ZFD) (Stand: September 1990)                                 

Aufgaben, Gliederung, Dislozierung etc.

Der ZFD auf dem Gelände der ehemaligen Junkers-Flugzeugwerke in Dessau (Junkers-Hochhaus) war ein stationäres Aufklärungsorgan des Hauptstabes der NVA und ging aus dem Funkaufklärungsregiment 2 (FuAR-2) "Hans Jahn" hervor (Historie). Grundlage war der Befehl 108/88 des Ministers für Nationale Verteidigung der ehemaligen DDR. Die damit festgelegte Umstrukturierung des FuAR-2 zum ZFD, wurde mit Einnahme der "Struktur 95" zum 30. November 1989 abgeschlossen.

Von 1986 bis 1989 war das FuAR-2 gemäß der vorherigen  "Struktur 90" wie folgt gegliedert (nur Aufklärungseinheiten):

ab 1986 bis 1986
Funkaufklärungszentrale KW – FuAZ KW (Dessau) 1. und 2. Funkaufklärungskompanie Kurzwelle - 1. und 2. FuAK KW
Funkaufklärungszentrale Nord – FuAZ Nord (Rüggow) 2. Funktechnische Aufklärungskompanie - 2. FuTAK
Funkaufklärungszentrale Süd – FuAZ Süd (Zella-Mehlis) 1. Funktechnische Aufklärungskompanie - 1. FuTAK
Funkaufklärungszentrale West – FuAZ West (Rohrberg) 2. Funkpeilzug Kurzwelle - 2. FuPZ KW
Funkaufklärungszentrale Ost – FuAZ Ost (Gützkow) Funkpeilkompanie Kurzwelle - FuPK KW
Funkpeilstelle Kurzwelle – FuPst KW (Zodel) 1. Funkpeilzug Kurzwelle - 1. FuPZ KW
Luftaufklärungszentrale – LuAZ (Dresden) 3. Zug

Mit Umgliederung zum ZFD vollzog sich der Wandel zur Aufgabenerfüllung im Diensthabenden System der Funk- und Funktechnischen Aufklärung unter ausschließlich stationären Bedingungen.

1. Aufgaben

2. Gliederung

Der ZFD hatte Ende 1989 folgende Gliederung eingenommen: (arrow.gif (948 Byte)Schema Gliederung ZFD)

Führung mit Stellvertreterbereichen

Gefechtseinheiten

Sicherstellende Einheiten

Ausbildungseinrichtung

Der Personalstand des ZFD entsprechend des Stellenplans der "Struktur 95":

Soll

Ist

%

Offiziere

126

116

92

Fähnriche

98

59

60

Berufsunteroffiziere

173

115

66

Unteroffiziere auf Zeit

271

118

43

Soldaten im Grundwehrdienst

125

85

68

Zivilbeschäftigte

89

69

77

Gesamt

882

562

63

3. Dislozierung (arrow.gif (948 Byte)Karte Dislozierung ZFD)
Der ZFD mit seinen dezentralisierten Einheiten war wie folgt disloziert:
die ehemaligen Stellungen als placemarks für google earth herunterladen: arrow.gif (948 Byte) (Ortsangaben ohne Gewähr)

Dessau

  • Führung
  • FuAZ KW
  • FuAZ Sat
Rüggow
  • FuAZ Nord mit den Außenstellungen
    • Luttersdorf (linker Posten)
    • Neunantrow (rechter Posten)

Zella-Mehlis

Gützkow

  • FuPSt 1 der FuAZ KW bzw. FuAZ Ost (1986-90)

 

Rohrberg

  • FuPSt 2 der FuAZ KW bzw. FuAZ West (1986-90)

Zodel

  • FuPSt 3 der FuAZ KW bzw. FuPSt KW (1986-90)

Dresden

  • LuAZ

Brocken

  • Richtfunkaufklärungsstelle 1 (RFuASt 1) der FuAZ Sat
    (geplant, aber nicht mehr zum Einsatz gekommen, siehe auch rechte Spalte)

         (Anm.: bereits 1988 wurde ständige Richtfunkaufklärung ab 1992 geplant arrow.gif (948 Byte)link )

   

Mit der Auflösung des MfS/AfNS wurden dem ZFD zusätzliche Objekte übergeben:

  • Biesenthal (nördlich Berlin)
    • Satellitenaufklärungszentrum
  • Brocken
    • Richtfunk- und UKW-Aufklärungszentrum

Für spezielle Funkverbindungen wurde einige Kilometer westlich von Dessau, in Scheuder, eine KW-Funksendestelle genutzt, die "Betriebsstelle 4". Hier befand sich auch neben Dessau eine weitere Eingangsstelle für Funksprüche der Antonov AN-26 "DISKANT". Die Eingangsstelle bestand nur aus einem Funkempfänger R-313M2, siehe unten).


der Empfänger R-313M2 im Nachrichtenbetriebsraum der Bst-4


die Empfangsantenne des R-313M2 auf
einem Mast beim Betriebsgebäude

 

   


Die Liegenschaft wird heute von einem landwirtschaftlichen Betrieb genutzt, es ist (fast) nichts mehr zu sehen; nachfolgende Fotos sind im Sommer 2002 entstanden.

als placemarks für google earth herunterladen:
arrow.gif (948 Byte) (Ortsangaben ohne Gewähr)
Mast einer Reusenantenne VRG (Höhe34,7m) Torbereich mit Richtfunkantenne R-405 X/N-1 Richtfunkantenne (R-405 X/N-1),
Kreuz-Yagi und Dipol mit Doppelreflektor
 

4. Geräteausstattung: (arrow.gif (948 Byte)Liste Technik (Auszug))     

Zur Aufgabenerfüllung (stationär) wurde entsprechendes Gerät aus folgenden Standorten eingesetzt:

Aufklärung von Funkverbindungen im KW-Bereich von 1,5 bis 30 MHz
  • Dessau

Automatische Standortbestimmung/Peilung von Funkstellen im KW-Bereich

  • Dessau
  • Gützkow
  • Rohrberg
  • Zodel
Aufklärung von Funkverbindungen der Luftstreitkräfte im VHF-/UHF-Bereich
  • Rüggow
  • Zella-Mehlis
Richtfunkaufklärung
  • Zella-Mehlis (Völkershausen), (Brocken)
Aufklärung von Satellitenfunkverbindungen
  • Dessau
Technische Funkaufklärung
  • Dessau
Funktechnische Aufklärung von Bodenzielen
  • Rüggow
  • Rohrberg
  • Zella-Mehlis

Funktechnische Aufklärung von Luftzielen

  • Rüggow mit
    • Luttersdorf (linker Posten) und
    • Neunantrow (rechter Posten)
  • Zella-Mehlis mit
    • Christes (linker Posten) und
    • Frauenwald (rechter Posten)

Luftgestützte Aufklärung von VHF-/UHF-Funkverbindungen der Land- und Luftstreitkräfte, von Richtfunkverbindungen, Funktechnische Aufklärung,

5. Aufklärungsreichweiten:

Funkaufklärung KW Erfassen: > 1.000 km Peilen: > 600 km
Funkaufklärung UKW Luftstreitkräfte < 350 km  
Funktechnische Aufklärung Bodenziele < 350 km  

Funktechnische Aufklärung Luftziele

< 400 km Tiefe

< 100 km Breite

Luftgestützte Funk- und Funktechnische Aufklärung > 150 km  

6. Informationsgewinnung und Meldung:

Schema Info-Gewinnung

7. Fernmeldeverbindungen:

Die Nachrichtenverbindungen des ZFD zum nachgeordneten Bereich sowie zu den vorgesetzten Dienststellen konnten mittels Fernsprech-, Fernschreib- und Datenübertragungskanäle in verschiedenen Medien (Funk, Richtfunk, Kabel/Draht) sichergestellt werden;
das rechte Schaubild zeigt die Drahtnachrichtenverbindungen.
Karte Drahtverbindungen des ZFD

Für die vielen Informationen in Wort und Bild zum FuAR-2/ZFD ein besonderer Dank an Herrn Peter Blümer.
Mehr zum Thema in seinem sehr zu empfehlenden Buch:
Die Militäraufklärung der NVA
Die Funk- und Funktechnische Aufklärung (FuAR-2/ZFD) - ehemalige Aufklärer berichten